Risiken im Home Office: Wann zahlt die Versicherung?

Risiken im Home Office: Wann zahlt die Versicherung?

Die Corona-Krise hat den Trend zum Arbeiten im Homeoffice zwangsweise verstärkt, doch Versicherungsfragen sind nach wie vor unklar. Die meisten Unfälle passieren schließlich zu Hause, sehr oft auch im Homeoffice. Doch welche Versicherung zahlt in diesem Fall? Auch Cyber- und Datenschutzgefahren drohen im heimischen Büro. Erfahren Sie mehr im folgenden Check.

Was im Zuge der Corona-Pandemie aus einer Zwangssituation eingerichtet wurde, findet immer mehr Befürworter, auf Seiten der Arbeitgeber wie auch der Arbeitnehmer. Große Konzerne wie Google oder Apple haben unlängst bekannt gegeben, ihre Angestellten noch bis Mitte 2021 daheim zu lassen, auch mittelständische Betriebe haben entsprechende Regelungen getroffen.

Folgende Punkte sind in jedem Fall zu beachten:

Wann bin ich gesetzlich unfallversichert?

Die gesetzliche Unfallversicherung leistet grundsätzlich während der Ausübung des Berufs und auf Arbeitsweg. Das gilt auch bei ehrenamtlicher Tätigkeit. Nicht versichert sind Unfälle, die nicht mit der Arbeit in Verbindung stehen. Die Lage ist dabei nicht immer ganz eindeutig.

Die gesetzliche Unfallversicherung überprüft die genauen Unfallumstände. Wer beispielsweise auf dem Weg zum Kühlschrank stürzt, ist nicht unfallversichert. Essen und Trinken sind sogenannte eigenwirtschaftliche Tätigkeiten. Der Gang zur Toilette ist im Büro versichert, im Home-Office jedoch nicht. Verletzt man sich aber in den eigenen vier Wänden auf dem Weg zum Router, weil das für die Arbeit notwendige Internet plötzlich ausfällt, gilt dies als Arbeitsunfall.

Kompliziert wird es mitunter auch, wenn man sein Kind in die Kita bringt: Bringt man das Kind auf dem Weg zur Arbeit in die Kita, ist man versichert – nicht aber, wenn man jedoch von der Kita zum Heimarbeitsplatz läuft und dabei einen Unfall hat. In der Mittagspause sind Sie in der Regel weder im Büro noch im Home-Office versichert, doch auch hier sind Ausnahmen möglich.

So gehen Sie vor, wenn Sie einen Unfall im Home-Office haben:

  1.  Den Unfall dem Arbeitgeber mitteilen. Dieser meldet ihn dann an die zuständige Berufsgenossenschaft oder der Unfallkasse weiter.
  2. Unverzüglich zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen und angeben, dass der Unfall im Home-Office passiert ist, sodass dieser als Arbeitsunfall protokolliert werden kann.

„Wer auch bei privaten Tätigkeiten im Home-Office nicht auf wertvollen Versicherungsschutz verzichten möchte, sollte unbedingt eine private Unfallversicherung abschließen“, rät Marcel Knauß, Geschäftsführer der AVW GmbH: „Das lohnt sich auch unabhängig vom Home-Office, denn rund zwei Drittel aller Unfälle ereignen sich ohnehin in der Freizeit.“

Noch ist nicht abzusehen, ob auch die Gerichte Trend folgen und das Home-Office umfassend als Arbeitsstätte anerkennen. Manch Arbeitgeber könnte sich hier hervortun in Zeiten des Facharbeitermangels und mit einer Gruppen-Unfallversicherung die Deckung freiwillig erweitern. Arbeitnehmer selbst können mit einer privaten Unfallversicherung finanzielle Folgen eines Unfalls zu Hause abfedern, die nicht als Arbeitsunfall gewertet werden.

Was muss ich beim Datenschutz beachten?

Das Thema Datenschutz ist vor allem dann relevant, wenn zu Hause mit personenbezogenen Daten gearbeitet wird. Denn dann müssen klare Rahmenbedingungen für das Heimbüro geschaffen werden, damit die Persönlichkeitsrechte Dritter nicht verletzt werden.

Für ein datenschutzkonformes Homeoffice sollte sich Ihr Arbeitsbereich in einem abschließbaren Raum befinden, in dem man auch sensible Unterlagen und Datenträger sicher aufbewahren kann. Nicht mehr benötigte Dokumente werden am besten mit einem Aktenvernichter entsorgt. Dritte dürfen keinen Zugang zum PC und vertraulichen Daten haben – das gilt auch für Familienangehörige.

Schützen Sie darüber hinaus den Computer immer mit einem Passwort. Auf die Systeme des Arbeitgebers wird am besten über ein Virtual Private Network (VPN) zugegriffen. Auch eine Verschlüsselung der Daten und des E-Mail-Verkehrs ist unabdingbar.

Unternehmer sind in der Verantwortung, alle Richtlinien für ein datenschutzkonformes Homeoffice umzusetzen. Im Zweifelsfall wird nämlich dieser zur Rechenschaft gezogen. Auch über Risiken sollte der Arbeitgeber aufklären, beispielsweise mit einer speziellen Schulung. Wenn Geräte wie Laptops zur Verfügung stehen, sollten klare Vorgaben zur Nutzung am häuslichen Arbeitsplatz gemacht werden.

Arbeitgeber und Datenschutzbehörde dürfen das Homeoffice kontrollieren. Das geht jedoch nicht ohne Zustimmung des Arbeitnehmers.

Cybergefahren

Wer datenschutzkonform arbeitet, ist Cybergefahren wie Viren oder Hackern nicht schutzlos ausgeliefert. Denn wer die Grundregeln einhält, begibt sich automatisch weniger in Gefahr.  Zu Beginn der Corona-Krise erfolgte die Umstellung auf Homeoffice vielerorts jedoch so schnell, dass mitunter nicht ausreichend gegen Bedrohungen aus dem virtuellen Raum vorgesorgt werden konnte.

Cyberkriminelle nutzen aktuell die Gunst der Stunde und starten vermehrt Angriffe auf private Heimnetzwerke und private Endgeräte. Die Folgen: Spam, Phishing, Identitätsdiebstahl, Malware, Datenklau. Auch hier sollte der Arbeitgeber für Cybergefahren sensibilisieren.

Diese Maßnahmen erhöhen den Cyberschutz im Home-Office:

  • Verschiedene Geräte für berufliche und private Tätigkeiten
  • Starke Passwörter aus mindestens 8 Zeichen nutzen. Sonderzeichen, Zahlen, Groß- und Kleinschreibung und Nutzung von Fantasie- und Eigennamen erhöhen den Schutz.
  • Den Rechner bei Abwesenheit sperren
  • VPN-Verbindung und Mehr-Faktor-Authentifizierung einrichten
  • Anti-Viren-Programm installieren (Achtung: Nur bei vertrauenswürdigen Adressen laden!)
  • Dubiose Mails nicht öffnen, nicht auf Links klicken und auch keine Anhänge herunterladen.

Eine private Cyberversicherung hilft bei Onlineshopping auf eBay und Co. Und lässt niemandem im Regen, wenn Facebook- oder Mailkonto gehackt wurden.

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